CDU-Politiker will Scharia-Regeln für Finanzmarkt PDF Yazdır e-Posta

Deutschland solle sich stärker an den islamischen Finanzregeln orientieren, sagt ein CDU-Wirtschaftsexperte. "Denn die Todsünde Gier hat unserem Finanzmarkt enorm geschadet", so der Politiker.

Deutschland soll von islamischen Finanzregeln lernen, sagt Reinhard Löffler, wirtschaftspolitischer Sprecher der baden-württembergischen CDU-Fraktion. Im Gegensatz zur westlichen Wirtschaftswelt habe "das scharia-konforme System samt Zinsverbot und strengen ethischen Regeln bei Derivaten und Warentermingeschäften die Krise weitgehend unbeschadet überstanden", sagte Löffler dem Internetportal "evangelisch.de".

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Löffler hebt die Vorteile islamischer Banken hervor: "Eine islamische Bank erwirbt nichts, was es nicht real gibt. Die Immobilienspekulationen in den USA, die als Auslöser der Finanzkrise gelten, hätte es nach den Regeln des Islamic Finance gar nicht geben dürfen. Auch das Handeln mit Wertpapieren ohne realen Gegenwert ist verboten – wie jegliches Glücksspiel".

Löffler will zwar keinesfalls den Handel mit Alkohol und Schweinefleisch verbieten, wie das islamische Finanzregeln vorsehen: "Ich will unser System nicht abschaffen, sondern um die Produktpalette Islamic Finance ergänzen". Als Beispiele nennt er die Deutsche Bank ( sie bietet scharia-konforme Dienstleistungen im Ausland an), das Land Sachsen (Sachsen hat einmalig einen islamischen Bond aufgelegt) und Mercedes (der Autobauer bietet "Islamic Leasing" an und hat in Mannheim hat eine islamische Privatbank eröffnet).

Löffler verweist darauf, dass das Zinsverbot auch im Christentum über 2000 Jahre lang galt. Luther von der evangelischen Kirche sei etwa ein entschiedener Zinskritiker gewesen. Auch die katholische Kirche habe bis 1918 daran festgehalten, dass "ein Darlehensvertrag keinen Gewinn rechtfertigt".

Er sehe, dass die aktuelle Finanzkrise den islamischen Banken wenig geschadet habe. Löffler hält zwar ein säkulares Finanzsystem für richtig. Das heiße aber nicht, dass Ethik daraus verbannt werden muss: "Und da können wir auch auf die eigenen religiösen Wurzeln zurückgreifen. Denn die Todsünde Gier hat unserem Finanzmarkt enorm geschadet – vor allem natürlich den kleinen Leuten."

(phu) 26.01.2010 | 14:14 |   (DiePresse.com)